Geldlehrer machen Lobbyunterricht in Schulen

Bereits in einem vorherigen Beitrag bin ich auf die fragwürdigen Aktivitäten des Vereins Geldlehrer e.V. eingegangen. Gestern hat nun der Wiesbadener Kurier über einen konkreten Fall berichtet und dabei auch meine Stellungnahme aufgegriffen.

Ich sehe die Aktivitäten des Vereins „Geldlehrer“ sehr kritisch und ordne diese und vergleichbare Initiativen in das Themenfeld der „Ökonomisierung der Bildung“ und hier speziell des „Lobbyismus in Schule“ ein. In Übereinstimmung mit den Untersuchungen von Prof. Tim Engartner (Didaktik an der Goethe Uni Frankfurt) ergeben sich aus derartigen Einflussnahmen folgende Probleme: Es schadet der Reputation des Lehrerberufs, unterminiert den staatlichen Bildungsauftrag und privilegiert finanzstarke Interessengruppen. Ebenso geht die kritischen Stellungnahme der Bundeszentrale Verbraucherschutz in die richtige Richtung, wenn sie feststellt, dass die so genannten „Geldlehrer“ mit der Möglichkeit der direkten Einflussnahme arbeiten. Unterricht soll dabei unmittelbar übernommen werden, die Schulen sollen für „mindestens zwei positive Artikel in der Lokalpresse über den jeweiligen Finanzdienstleister sorgen“ (http://www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/Verbraucherbildung-Analyse-Unterrichtsmaterialien-vzbv-2014.pdf) und es wird versucht, die Kinder als werbende Mittelsleute gegenüber den Eltern einzusetzen. Bildung sollte ein gesellschaftliches Gut im demokratischen Konsens bleiben und nicht zum Spielball finanzstarker Lobbygruppierungen – wie z.B. des Vereins „Geldlehrer“ bzw. deren angegliederten Finanzinstitute/-dienstleister-, die den Bildungsmarkt als Zukunftsmarkt für ihre einseitigen Interessen begreifen und nutzen möchten.

Auch der in der Printausgabe des Wiesbadener Kurier ergänzende Kommentar von Nele Leubner ist aus meiner Sicht sehr treffend:

Und genau diese diffuse Motivation der Geldlehrer prangern Verbraucherschützer und Lehrergewerkschaft zu Recht an: Freie Finanzberater leben von der Beratung und Verkaufsprovisionen. Im Unterricht dürfen sie keine Visitenkarten verteilen, die Beeinflussungkann aber viel subtiler erfolgen. Gerade Finanzberater können mit Worten umgehen. Dass sie als Geldlehrer das Image des eher negativ besetzten Berufsbilds aufpolieren wollen, spätere Kunden anwerben oder Eltern als Kunden gewinnen möchten – auszuschließen ist das nicht. Neutralität aber scheint im Fall der Geldlehrer ausgeschlossen zu sein Und deshalb sollten sie auch nicht ober Monate hinweg vor Schulklassen stehen — denn dafür gibt es in Deutschland Lehrer.

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