Marketing macht Schule

Am 08.03.2017 wird der Kulturpolitische Ausschuss des hessischen Landtags mit einem Schwerpunkt das Thema „Werbung in Schule“ am konkreten Beispiel von Speed4 thematisieren. Ausgang dafür ist die Anfrage der SPD-Landtagsfraktion (PDF-Datei). Dabei handelt es sich um eine GmbH, die über die Durchführung von Laufwettbewerben an Schulen versucht, Kunden für ihre jeweiligen, regionalen Werbepartner zu generieren. Am Hamburger Beispiel berichtete bereits das NDR-Recherchemagazin „Panorama“ im folgenden Video und erneut mit dem auf der NDR-Homepage zu findenen Beitrag:

Der offen kommunizierte „Marketingfaktor“ sieht wie folgt aus:

Wahrnehmung der Sponsoren als Förderer des Sports und der Gesundheit von Kindern bei Schulen, Eltern, Politikern und generell in der Presse.

Abspeicherung des Sponsors im Kopf des Kindes durch das erfolgreiche und emotionale Erlebnis.

Völlig neues Kundenbindungsinstrument, welches dafür sorgt, dass jedes Kind + Eltern zu Ihnen geführt wird.

Der folgende Beitrag von mir ist erstmalig am 23.02.2017 auf der Homepage der GEW-Hessen erschienen und wird hier übernommen:

→ weiterlesen

Gemeinnützigkeit als Türöffner

Das war eine Schlagzeile: „Dieser Computer kann unser Schulsystem revolutionieren„. Ein Unternehmer und sein kleines Team schon erstaunlich weit. Das Produkt des Unternehmens schon in wenigen Monaten für jeden saarländischen Drittklässler – und das ist erst der Anfang.

Dass dies übertrieben war, erkannte jeder, der sich seit ein paar Jahren im Bildungssystem bewegt. Dass unsere Demokratie und föderales Bildungssystem so nicht funktioniert, weiß jeder, der mit eigenen Projekten im eigenen Bundesland unterwegs ist. Wer – wie ich seit über 10 Jahren – intensiv die Digitalisierung der Schulbildung begleitet, wusste, dass es sich um einen weiteren, spannenden Vorstoß unter vielen handeln mag. Doch dann kam der IT-Gipfel im letzten November – und damit war klar: Calliope ist anders. Dabei handelt es sich um einen branchendominierten Kongress, auf dem man – initiiert vom Bundeswirtschaftsministerium (siehe hierzu weiter unten) – über die Zukunft der Digitalisierung in Deutschland beraten möchte. Auf diesem Gipfel wurde das Produkt der Calliope gGmbH erstmalig, öffentlich vorgestellt. Auffällig für mich war unter anderem das Pressefoto des Ministeriums (Bild via BMWi) auf dem die Tochter eines der maßgeblichen Gesellschafter umringt von Politikern und Gründern das eigene Produkt präsentierte.

Seitdem verdichtete sich die anfängliche Verwunderung zu Erkenntnissen. Ich möchte aber auch vorausschicken, dass sich die Recherchen noch im laufenden Prozess befinden. Anfragen an Ministerien, Ämter, Unternehmen, Politiker noch offen sind und ausstehen. Dennoch gibt es einen Zwischenstand, den ich hier etwas sortieren möchte – betont vorläufig.

Das Ministerium für Bildung und Kultur im Saarland

→ weiterlesen

EdChatDe zu Lobbyismus in Schule

Update (12.07.2016, 23:30 Uhr): Ein Archiv des #EdChatDe-Tages (inkl. Ankündigungen und Vorbereitung) findet man hier. Der eigentliche chat starte um 20 Uhr (also etwas scrollen).

Update (12.07.2016, 23:50 Uhr): Wer eine statistische, grafische Auswertung mag, findet diese hier (PDF).


Am heutigen 12.07.2016 ab 20 Uhr moderiere ich zusammen mit Paul Wege (@steinsfreiherr) unter @bildungsradar das 2. SummerSpecial des EdChatDe. Dabei handelt es sich um einen Austausch unter twitternden Bildungsinteressierten mit einem Schwerpunkt auf schulischer Bildung. Unter dem Hashtag #EdChatDe kann man auch heute Abend wieder die Diskussion verfolgen. Wir ergänzen und führen den weiteren Hashtag #Lobbyismus_in_Schule ein.

Zur Vorbereitung stelle ich hier bereits die (inhaltlichen) Fragen online und freue mich auf zahlreiche Teilnehmer:

F1: Zur Definition: Gibt es Unterschiede/Gemeinsamkeiten zwischen #Lobbyismus_in_Schule und dem bekannten Lobbyismus in Politik? #EdchatDE

F2: Beispiele: In welcher Form ist Dir bereits Einflussnahme auf Lehrkräfte oder Lernende begegnet? #EdchatDE

F3: Unterrichtsmaterial von Unternehmen, Parteien & Vereinen: Lehrkraft als alleiniger Gatekeeper oder braucht es Unterstützung? #EdchatDE

F4: Vom millionenschweren ThinkTank zum regionalen Demeter-Hof: Alle Interessen gleichberechtigt in Schule lassen (und wie?)?

(…)

F6: Unterstützung aus der Wirtschaft ist toll! Endlich Gesamtschulen & Auftrag von Schule erfüllt! Oder doch nicht? #EdChatDe

F7: Welche Handlungsmöglichkeiten gegen einseitige/tendenziöse Einflussnahme auf Schule & Bildung gibt es? Wie (re)agieren? #EDchatDE

F8: Welche Anregungen, Fragen hast du sonst noch zum Thema #Lobbyismus_in_Schule“? #EdchatDE

Zur Vorbereitungkann man einen Blick auf folgende Links werfen:

 

Soziologenverband kritisiert Wirtschaftslobbyismus in Schule

Tim Engartner nennt es den „Kampf um die Köpfe unserer Kinder„. Hier im Blog wurde bereits auf verschiedene Strategien lobbyistischer Einflussnahme hingewiesen. Die deutsche Gesellschaft für Soziologie, die nach eigener Auskunft ungefähr vier Fünftel aller promovierten Soziologinnen und Soziologen Deutschlands vertritt, formuliert ihre Kritik bereits im Januar 2016 recht deutlich und pointiert. Da hier eine Paraphrasierung zu kurz greifen würde, übernehme ich die öffentliche Stellungnahme im Wortlaut:

Ökonomische Bildung steht hierzulande hoch im Kurs – ebenso wie die Bemühungen, sie von sozialwissenschaftlicher Einbettung freizuhalten. Im Herbst letzten Jahres hatte die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände den bemerkenswerten Versuch unternommen, durch Intervention beim Bundesinnenministerium ein Verbreitungsverbot des von der Bundeszentrale für Politische Bildung herausgegebenen Themen- und Materialienbandes „Ökonomie und Gesellschaft“ zu erwirken. Parallel dazu wurden und werden in Baden-Württemberg heftige öffentliche Diskussionen um den umstrittenen, von der rot-grünen Landesregierung vorgelegten Bildungsplan zum Schulfach „Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung an allgemeinbildenden Gymnasien“ geführt. Darin ist eine umfangreiche Einführung in Wirtschaftsprozesse und wirtschaftliches Handeln vorgesehen, deren Stundenkontingent zu Lasten der Vermittlung sozialwissenschaftlicher Perspektiven im Allgemeinen und auch spezifischer soziologischer Bildung im Speziellen geht. Entsprechende Entwicklungen deuten sich auch in den Lehrplänen anderer Bundesländer an. Umso relevanter erscheint eine jüngst veröffentlichte Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Ökonomische Bildung, die sich für ideologiefreie Unterrichtsbeiträge ausspricht, den Vertretern und Vertreterinnen der sozialwissenschaftlich ausgerichteten sozioökonomischen Bildung aber im selben Atemzug die „wissenschaftliche Dignität“ ihrer Position abspricht.

Angesichts der intensiven lobbyistischen Aktivitäten von Wirtschaftsverbänden und Wirtschaftsbildungsorganisationen hält es die Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) für geboten, ihrerseits in die Debatte zu intervenieren. Denn es soll zwar nicht angezweifelt werden, dass solide Grundkenntnisse ökonomischer Prozesse wichtig sind, um Schülerinnen und Schülern Analyse- und Handlungskompetenzen zu vermitteln, die für das Leben in einer zunehmend ökonomisierten Gesellschaft unabdingbar sind. Gleichzeitig betrachtet die DGS jedoch erstens mit großer Sorge, wenn im Wirtschaftslehreunterricht die weitgehende oder gar ausschließliche Vermittlung binnenökonomischer Perspektiven angestrebt wird. Diese Fachkonzeption stößt in einem Unterrichtsfach „Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung“ schon allein deshalb an Grenzen, weil bei der Berufsorientierung die Hinzuziehung soziologischer Theorien und empirischer Befunde unerlässlich ist. Die Berücksichtigung der sozialen Mechanismen, komplexen Voraussetzungen, Einbettungen und Folgen von ökonomisch geprägten Problemen und Lebenssituationen ist in der ökonomischen Bildung unverzichtbar. Die Soziologie verfügt über eine breite und anerkannte Expertise in der Analyse ökonomischer Prozesse, die für eine wissenschaftsorientierte Auseinandersetzung mit ökonomischen Inhalten an Schulen und die Beförderung entsprechender praktischer Kompetenzen grundlegend ist. Mit ebenso großer Sorge stellt die DGS vor diesem Hintergrund zweitens fest, dass die Anteile soziologischer Lern- und Bildungsinhalte unter anderem durch die Aufnahme des neuen Faches Wirtschaft noch weitgehender marginalisiert werden, als sie dies ohnehin bereits sind. Dies betrifft im Grundsatz auch andere sozialwissenschaftliche Disziplinen, wenn auch im Einzelfall in weitaus geringerem Maße.

Diese, durch politische Vorgaben angestoßene und durch massive Interventionen von Interessenverbänden beförderte Entwicklung hat fatale Folgen für das an den Schulen vermittelte Grundverständnis der Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft gegenwärtig steht. Soziologisches Wissen lässt sich nicht, wie sich etwa jetzt in Baden-Württemberg abzeichnet, auf einige wenige Stunden der Vermittlung von Kenntnissen über private Lebensführung und Identitätsbildung reduzieren – jedenfalls nicht ohne spürbare negative Folgen sowohl für die Reflexionsfähigkeit der Schüler/innen als auch für ihre Fähigkeiten zum praktischen Handeln. Die weitreichenden gesellschaftlichen Umbrüche, mit denen jungen Bürger/innen sich in Zukunft konfrontiert sehen werden – flexibilisierte Arbeitsmärkte und demographischer Wandel, Prozesse der Globalisierung und ökologischen Transformation, Folgen der Digitalisierung und des technologischen Wandels, die sozialen Realitäten von Interkulturalität, Migration und Flucht –, lassen sich nur dann angemessen bewältigen, wenn in der schulischen Bildung dazu ein breites, gesellschaftswissenschaftlich fundiertes Verständnis von sozialen Prozessen und Mechanismen, Strukturen und Akteuren dieser Entwicklung vermittelt wird. Wir möchten daher an die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger der Bundesländer im Allgemeinen und, bezogen auf die aktuelle Diskussion in Baden-Württemberg, an den Ministerpräsidenten des Landes Herrn Winfried Kretschmann, den Minister für Kultus, Jugend und Sport Herrn Andreas Stoch und die Bildungspolitiker und Bildungspolitikerinnen des Landes BW appellieren, sowohl die soziale Dimension ökonomischer Prozesse als auch den unverzichtbaren soziologischen Beitrag zum Verständnis unserer Gesellschaft (wieder) deutlich stärker im Unterricht zu verankern, als dies gegenwärtig der Fall ist. Dies wäre ein wichtiger Beitrag nicht nur zum didaktischen Pluralismus, sondern auch zur zukünftigen Gestaltungsfähigkeit der Gesellschaft.

Die Schule ist kein Wirtschaftsbetrieb

banner-twitter

Heute hat die Arbeitsgemeinschaft „Gegen die Ökonomisierung der Bildung“ die Publikation zur gleichnamigen Vortragsreihe online veröffentlicht (Printausgabe in wenigen Tagen verfügbar). Darin werden wesentliche Themen rund um den Problemkomplex einer zunehmenden Ausrichtung an Verwertungsgedanken hinsichtlich schulischer Bildung aufgegriffen – Kompetenzorientierung, Einflussnahme der OECD, Beziehungsarbeit in Schule, Lobbyismus (am Beispiel der BertelsmannStiftung) aber auch indirekte Steuerung und Handlungsmöglichkeiten dazu.

Aus dem „Klappentext“:

Die in unserer Veranstaltungsreihe besprochenen Themen haben die Ziele der OECD in Richtung „Ökonomisierung der Bildung“ transparent gemacht und die Absichten und Strategien der Bildungsmacher enthüllt. Die Bandbreite der Fragen in den sich anschließenden Diskussionsrunden zeigte deutlich den Wunsch nach weiterer Aufklärung und Information sowie das Interesse Möglichkeiten politischen Handelns zu diskutieren.

Mehr ist zu finden unter http://www.gew-hessen.de/aktuell/themen/arbeitsgruppe-gegen-die-oekonomisierung-der-bildung/.

Die LINKE hat’s verstanden. Wer noch?

Das Thema „Lobbyismus in Schule“ wird derzeit zunehmend virulenter. Sowohl die GEW positioniert sich zunehmend, als auch LobbyControl ist seit Jahren am Thema dran. Die Presseberichte nehmen zu und auch in der Politik kann man bei einigen Politikern erkennen, dass sie ein Gespür für die Problematik entwicklen (bei anderen leider gar nicht – aber dazu ein andern Mal, es laufen derzeit diverse Anfragen).

Besonders eindrucksvoll beweist gerade DIE LINKE, dass sie die Diskussion, Kritik und Notwendigkeit zur Reaktion wahrnehmen: Auf den 22.06.2016 ist die Vorabfassung ihres Antrags an den Deutschen Bundestag (Drucksache 18/8887) datiert. Nach einer umfassenden und die wesentlichen Aspekte berücksichtigenden Problemanalyse (lesenswert) kommen sie zu folgenden Forderungen:

Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,

1. zukünftig keine von Unternehmen und Lobbygruppen erarbeiteten Unterrichtmaterialien mit dem empfehlenden Stempel oder dem Logo eines Bundesministeriums zu versehen;

2. sich gegenüber der Kultusministerkonferenz dafür einzusetzen, klare Kriterien für Kooperationen zwischen Schule und Wirtschaft, Verbänden, und anderen Akteuren der Zivilgesellschaft zu formulieren, die einseitige und interessengeleitete Einflussnahme in Unterricht und Schule ausschließen;

3. unverzüglich insbesondere mit den Bundesländern, die bisher keine entsprechenden Regelungen in ihren Schulgesetzen vorsehen, Gespräche aufzunehmen, mit der Bitte in ihren Schulgesetzen ein Verbot von Werbung verankern;

4. die Initiative zu ergreifen, den Beutelsbacher Konsens durch einen Transparenzkodex zu ergänzen. Dabei muss offengelegt werden, wer die externen Unterrichtsmaterialien finanziert, welche Autoren daran beteiligt sind und welche Drittmittel hierfür eingenommen wurden;

5. gemeinsam mit den Ländern

a) eine unabhängige Monitoringstelle für externe Unterrichtsmaterialen einzurichten, die als Informations- und Anlaufstelle für Lehrkräfte dient und die einen kritischen Umgang mit Unterrichtsmaterialien fördert;

b) in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften aller Schulformen (verpflichtend) Module einzuführen, die für die Gefahren der Einflussnahme von Lobbygruppen auf den Unterricht sensibilisieren;

6. das Projekt des Bundes „Materialkompass Verbraucherbildung“ wieder aufzugreifen, weiter zu führen und zu verstetigen;

7. die Werberegeln des Deutschen Werberates so zu fassen, dass auch indirekter und direkter Lobbyismus in Schulen und Kitas nicht zulässig ist und diese Regeln verbindlich zu gestalten.

Nun bin ich sehr gespannt, wie – nachdem es gelungen ist, das Thema nich nur in verschiedenen Bundesländern zunehmend auf die Agenda zu bringen – auf Bundesebene seitens der Politik reagiert wird.

Stiftungen im Bildungswesen

Die aktuelle Ausgabe der E&W widmet sich dem Schwerpunktthema: „Stiftungen im Bildungswesen – Helfen hilft und tut gut?“ In mehreren guten Beiträgen wird auf die Problematik des ungebremsten Stiftungswesen und der damit einhergehenden Ökonomisierung der Bildung (nicht nur durch operative Stiftungen) hingewiesen. Für die Schule besonders interessant finde ich die Artikel zu MINT und der BertelsmannStiftung. Im ersten Beitrag wird sehr gut die Kritik am Einfluss der Stiftungen skizziert (inkl. vieler Beispiele Schule betreffend).

Stiftungen haben im Bildungsbereich stark an Bedeutung gewonnen. Ihre Aktivitäten erfahren in der Öffentlichkeit vielfach positive Rückmeldungen, ihr Einfluss auf Bildungspolitik, Schule und Unterricht ist allerdings nicht zu unterschätzen.

Bundesweit spielen gemeinnützige Stiftungen an Schulen eine stetig wachsende Rolle. Jede siebte Stiftung, also rund 3 000, engagiere sich im Bildungswesen, berichtet Katrin Kowark vom Bundesverband Deutscher Stiftungen. Doch ihr wachsender Einfluss stößt auch auf Kritik. Denn allein die Stifter, zumeist Wohlhabende und Unternehmen, entscheiden, wer von den Stiftungsmitteln profitiert. Entsprechend vertreten gemeinnützige Stiftungen mitunter eigene Interessen.

Auffallend viele Stiftungen, die von Industrie-Unternehmen oder Industrie-Arbeitgeberverbänden ins Leben gerufen wurden, kümmern sich darum, Unterricht in den MINT-Fächern zu fördern. Auch in die private Lehrerfortbildung fließen Millionen: Die Telekom Stiftung etwa gab in den vergangenen Jahren rund elf Millionen Euro dafür aus.

„Unterzieht man ausgewählte Stiftungsaktivitäten einer systematischen Analyse, so lässt sich nachweisen, dass schon in der Art der Konzeption und der Durchführung einiger Stiftungsaktivitäten eine potenzielle Einflussnahme auf den bildungspolitischen sowie schul- und unterrichtspraktischen Bereich angelegt ist“, kommentiert Kathrin Dedering, Professorin für Bildungsinstitutionen und Schulentwicklung an der Universität Erfurt.

Artikelserie zu Lobbyismus in pädagogischer Fachzeitschrift

Im letzten Jahr hat die Zeitschrift „Pädagogik“ des BELTZ-Verlags eine Artikelserie zum Thema „Lobbyismus in Schule“ veröffentlicht. Diese hat sich nicht nur durch ihren strukturierten Aufbau sondern auch hinsichtlich Autoren und Inhalten ausgezeichnet:

  • Folge 1:  „Lobbyismus an Schulen – Wer nimmt Einfluss? Was sind Motive und Ziele? Was kann getan werden?“ von Felix Kamella

Interessenorientierte Einflussnahme auf den Unterricht nimmt zu. Sowohl finanzielle als auch zeitlich knappe Ressourcen machen Schule auch anfällig für die Übernahme kos- tenlos angebotener Unterrichtsmaterialien. Geklärt werden soll: Wie ist die Qualität von Materialien zu erkennen? Was ist das Ziel von Lobbyismus? Wie verschaffen sich externe Akteure Zugang? Was können Schulen und Lehrkräfte gegen Meinungsmache und Marketing tun?

  • Folge 2: „Unterrichtsmaterialien von Unternehmen und Vereinen – Zielsetzung und zentrale Ergebnisse der Augsburger Studie“ von Carl-Christian Fey und Eva Matthes

Das Angebot an kostenlosen Bildungsmedien nimmt zu. Möglicherweise ein willkommener Service angesichts von Zeit- und Geldmangel in den Schulen – aber auch ein Einfallstor für unkontrollierte und nicht selten verschleierte Einflussnahme. Was wissen wir über diesen Markt? Wie zeigt sich Lobbyismus in Unterrichtsmaterialien? Und was kann zur Identifizierung von verdeckter Einflussnahme getan werden?

  • Folge 3: „StiftungenimBildungsbereichund ihre Formen der Einussnahme“ von Kathrin Dedering

Stiftungen arbeiten gemeinwohlorientiert und dürfen keine Gewinne machen. Dennoch gehören sie zu den Institutionen, die Ein uss nehmen wollen – auch im Bildungswesen. Wie lässt sich der Ein uss von Stiftungen beschreiben? Worauf wollen sie beispielsweise Einfluss nehmen? Wie lässt sich an Hand von konkreten Fällen diese Ein ussnahme beschreiben? Und wie ist diese Arbeit zu bewerten?

  • Folge 4: „Lobbyismus in der Schule erkennen – Unterrichtsideen zum »Lex Fraport« und zur Analyse von Unterrichtsmaterialien“ von Maik Schmidt

In der letzten Folge dieser Serie soll gezeigt werden, wie das Thema Lobbyismus und Schule im Unterricht thematisiert werden kann. Was sind geeignete Anlässe für eine Ausein- andersetzung mit manipulativer Beeinflussung von Schülerinnen und Schülern? Wie können Schülerinnen und Schüler konkret erfahren, woran interessengeleitete Materialien zu erkennen sind und welche Handlungsmöglichkeiten es gibt?

Die Serie lag mir bisher nur in Printversion vor. Da ich sie nun aber auch digital gefunden habe, möchte ich sie hier teilen und empfehlen.

Geldlehrer machen Lobbyunterricht in Schulen

Bereits in einem vorherigen Beitrag bin ich auf die fragwürdigen Aktivitäten des Vereins Geldlehrer e.V. eingegangen. Gestern hat nun der Wiesbadener Kurier über einen konkreten Fall berichtet und dabei auch meine Stellungnahme aufgegriffen.

Ich sehe die Aktivitäten des Vereins „Geldlehrer“ sehr kritisch und ordne diese und vergleichbare Initiativen in das Themenfeld der „Ökonomisierung der Bildung“ und hier speziell des „Lobbyismus in Schule“ ein. In Übereinstimmung mit den Untersuchungen von Prof. Tim Engartner (Didaktik an der Goethe Uni Frankfurt) ergeben sich aus derartigen Einflussnahmen folgende Probleme: Es schadet der Reputation des Lehrerberufs, unterminiert den staatlichen Bildungsauftrag und privilegiert finanzstarke Interessengruppen. Ebenso geht die kritischen Stellungnahme der Bundeszentrale Verbraucherschutz in die richtige Richtung, wenn sie feststellt, dass die so genannten „Geldlehrer“ mit der Möglichkeit der direkten Einflussnahme arbeiten. Unterricht soll dabei unmittelbar übernommen werden, die Schulen sollen für „mindestens zwei positive Artikel in der Lokalpresse über den jeweiligen Finanzdienstleister sorgen“ (http://www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/Verbraucherbildung-Analyse-Unterrichtsmaterialien-vzbv-2014.pdf) und es wird versucht, die Kinder als werbende Mittelsleute gegenüber den Eltern einzusetzen. Bildung sollte ein gesellschaftliches Gut im demokratischen Konsens bleiben und nicht zum Spielball finanzstarker Lobbygruppierungen – wie z.B. des Vereins „Geldlehrer“ bzw. deren angegliederten Finanzinstitute/-dienstleister-, die den Bildungsmarkt als Zukunftsmarkt für ihre einseitigen Interessen begreifen und nutzen möchten.

Auch der in der Printausgabe des Wiesbadener Kurier ergänzende Kommentar von Nele Leubner ist aus meiner Sicht sehr treffend:

Und genau diese diffuse Motivation der Geldlehrer prangern Verbraucherschützer und Lehrergewerkschaft zu Recht an: Freie Finanzberater leben von der Beratung und Verkaufsprovisionen. Im Unterricht dürfen sie keine Visitenkarten verteilen, die Beeinflussungkann aber viel subtiler erfolgen. Gerade Finanzberater können mit Worten umgehen. Dass sie als Geldlehrer das Image des eher negativ besetzten Berufsbilds aufpolieren wollen, spätere Kunden anwerben oder Eltern als Kunden gewinnen möchten – auszuschließen ist das nicht. Neutralität aber scheint im Fall der Geldlehrer ausgeschlossen zu sein Und deshalb sollten sie auch nicht ober Monate hinweg vor Schulklassen stehen — denn dafür gibt es in Deutschland Lehrer.

GEW zur Ökonomisierung der Bildung

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) – deren Mitglied ich bin – setzt gerade in mehreren Bundesländern das Thema der „Ökonomisierung der Bildung“ verstärkt auf die Agenda. Dies zeichnet sich in verschiedenen Schwerpunktausgaben aus:

Zusammen mit der AG „Gegen die Ökonomisierung der Bildung“ arbeite ich gerade an einer Publikation unter dem Titel „Die Schule ist kein Wirtschaftsbetrieb“, deren Veröffentlichung unmittelbar bevorsteht und auch hier im Blog kommuniziert wird.

In einem weiteren Blogbeitrag werde ich die Tage die aktuellen Veröffentlichungen in der Presse versuchen zu bündeln.